Wenn „Positionierung“ sich nach Selbstdarstellung anfühlt
Viele Selbstständige wissen fachlich genau, was sie tun – und bekommen trotzdem Bauchweh, sobald sie „Positionierung“ hören. Nicht, weil sie nichts zu sagen hätten. Sondern weil Positionierung oft so klingt, als müsste man sich größer machen, lauter sprechen oder sich in eine Schublade pressen.
Ich habe das in Website-Projekten, im 1:1 Mentoring und auch in VHS-Kursen immer wieder gesehen: Sobald es um „Was macht dich besonders?“ geht, wird es schnell persönlich. Und gleichzeitig unscharf. Genau da wird Positionierung schnell anstrengend.
Dieser Artikel ist eine ruhige Gegenperspektive von mir für dich: Positionierung für Selbstständige bedeutet nicht „Marketing-Show“. Es bedeutet: klar entscheiden, wofür du stehst – und es so ausdrücken, dass es zu dir passt.#keepitsiMple
Was Positionierung wirklich ist (und was nicht)
Positionierung für Selbstständige ist die bewusste Entscheidung, wofür du bekannt sein willst – bei einer konkreten Zielgruppe, mit einem klaren Nutzenversprechen und einer nachvollziehbaren Art zu arbeiten.
Was Positionierung nicht ist:
- nicht: eine künstliche Nische, die sich falsch anfühlt
- nicht: ein „laut sein müssen“ auf Social Media
- nicht: ein perfekter Slogan, bevor du starten darfst
Beispiel aus meiner Praxis:
Im Website-Mentoring saß mir eine Beraterin gegenüber und sagte: „Ich kann so viel – und eigentlich will ich das auch alles zeigen.“ Nach ein paar Minuten war klar: Ihr Problem war (natürlich) nicht fehlende Kompetenz, sondern fehlende Sortierung. Sie wollte sich nicht einschränken – sie wollte nur vermeiden, dass ein Fokus so wirkt, als dürfte der Rest nicht mehr existieren. Als wir Positionierung als klare Auswahl für den Einstieg verstanden haben (nicht als Verzicht), wurde es plötzlich leicht.
Strategische Einordnung:
Positionierung ist selten ein Textproblem. Meist ist es ein Systemthema: Wenn Angebot, Zielgruppe, Website und Inhalte nicht sauber zusammenspielen, wirkt alles gleichzeitig – und du musst mehr erklären, mehr rechtfertigen, mehr „überzeugen“. Wenn die Struktur stimmt, braucht es weniger Lautstärke, weil die Orientierung schon im Aufbau steckt: ein klarer Einstieg, ein roter Faden, sinnvolle nächste Schritte.
Wenn du bei „Zielgruppe“ schon merkst, dass es wackelt, hier entlang.
Warum „laut“ oft nur ein Ersatz für Klarheit ist
Viele Strategien im Netz belohnen Lautstärke: schnell, pointiert, polarisierend. Das kann funktionieren – aber es ist nicht die einzige Art, sichtbar zu sein. Und es ist vor allem nicht die stabilste.
Lautes Marketing ersetzt oft fehlende Prioritäten: Wenn nicht klar ist, für wen etwas gedacht ist und wofür es steht, wird Aufmerksamkeit über Intensität erzeugt – statt über Orientierung.
Beispiel aus meiner Praxis:
In einem VHS-Kurs meldete sich eine Teilnehmerin und sagte: „Ich poste regelmäßig, aber es kommt nichts zurück.“ Als wir ihre Website angeschaut haben, stand dort viel – nur nicht, für wen. Sie war nicht „zu leise“. Sie war zu allgemein. Und genau das sorgt dafür, dass Menschen zwar nicken, aber nicht handeln.
Strategische Einordnung:
Leise Wirksamkeit entsteht, wenn dein Gegenüber sich schnell orientieren kann:
- Passt das zu mir?
- Versteht diese Person mein Problem?
- Traue ich ihr eine Lösung zu?
Das ist keine Frage von Lautstärke, sondern von Lesbarkeit – im Kopf deines Gegenübers.
Das Alleinstellungsmerkmal: 3 Bausteine, die wirklich tragen
„Alleinstellungsmerkmal“ klingt oft nach großer Innovation. In der Praxis entsteht es viel häufiger aus drei einfachen Bausteinen.

1) Ergebnis – welches „Danach“ verkaufst du wirklich?
Ein gutes Nutzenversprechen (Lösung, Ergebnis, Unterschied) beschreibt den Zustand nach der Zusammenarbeit – konkret, alltagsnah und ohne Fachsprache.
Frage dich:
- Was kann mein Kunde danach einfacher, klarer, schneller?
- Woran merkt man den Unterschied im Alltag?
Beispiel aus meiner Praxis:
Eine Beraterin sagte: „Ich berate ganzheitlich.“ Das klingt wertvoll – bleibt aber für viele zu unkonkret, weil niemand weiß, was danach anders ist. Als sie es so formuliert hat: „Meine Kunden haben nach unserem Termin eine klare Prioritätenliste und wissen, was sie als Nächstes tun – und was sie bewusst lassen“, wurde es sofort greifbar.
2) Zielgruppe – für wen bist du am besten?
Zielgruppe ist Fokus, kein Ausschlussritual: Je klarer du benennst, wem du hilfst, desto leichter werden deine Inhalte, dein Angebot und deine Website verständlich.
Und: Wer es allen recht machen will, macht es am Ende niemandem richtig – weil die Botschaft verwässert und Entscheidungen schwerer werden.
Frage dich:
- Bei welchen Menschen entsteht am schnellsten Vertrauen und gute Zusammenarbeit?
- Welche Ausgangslage, Denkweise oder Erwartungen passen zu deinem Stil?
Wenn du bei deiner Zielgruppe noch schwankst oder „zu viele“ im Kopf hast, hilft dir dieser Artikel beim Sortieren: Zielgruppe für Website definieren – Warum deine Website nicht für alle sein muss.
3) Vorgehen – wie arbeitest du anders als andere?
Dein Prozess (dein Vorgehen) ist Teil deiner Positionierung: Er zeigt, wie du denkst, wie du Entscheidungen triffst und welche Qualität Menschen bei dir erwarten können.
Oft ist nicht die Methode das Besondere, sondern die Art, wie du Menschen durch den Prozess führst.
Frage dich:
- Was ist dir in der Zusammenarbeit wichtig (z. B. Struktur, Tempo, Selbstwirksamkeit)?
- Welche Schritte machst du konsequent – auch wenn andere sie überspringen? (z. B. erst Klarheit, dann Umsetzung)
Beispiel aus meiner Praxis:
In meinen Website-Projekten kommt irgendwann fast immer der Satz: „Ich will’s endlich ordentlich.“ Damit meinen die meisten nicht „ein anderes Tool“, sondern: weniger Chaos, klare Prioritäten, ein roter Faden. Genau da wird der Prozess zum Unterschied: Wenn zuerst sortiert wird (Ziel, Inhalte, Aufbau) und erst dann umgesetzt, fühlen sich Entscheidungen leichter an – und das Ergebnis hält länger. Struktur ist in solchen Fällen nicht Beiwerk, sondern ein zentraler Teil der Leistung.
Positionierung ohne Bauchweh: 7 ruhige Leitfragen (die du direkt nutzen kannst)
Diese Fragen sind bewusst nicht „Marketing-scharf“, sondern klarheits-scharf. Nimm dir am besten Papier oder ein Dokument und beantworte sie in ganzen Sätzen.
- Wem helfe ich am liebsten – und warum genau diesen Menschen?
- Welche Ausgangslage sehe ich immer wieder? (vorher)
- Welche Veränderung ist realistisch erreichbar? (nachher)
- Welche drei Probleme löse ich besonders zuverlässig?
- Was ist mir in der Zusammenarbeit nicht verhandelbar? (Haltung)
- Was sollen Kunden über mich erzählen, wenn sie mich empfehlen?
- Wofür möchte ich in 12 Monaten bekannt sein?
Beispiel aus meiner Praxis:
Im Mentoring erlebe ich diese Übung oft wie einen Moment von „endlich wird es ruhiger“. Nicht, weil danach alles fix und fertig ist – sondern weil sichtbar wird: Da ist längst ein roter Faden. Bestimmte Themen, Fragen und Menschen wiederholen sich. Und genau daraus lässt sich eine klare Linie formulieren.
Strategische Einordnung:
Du brauchst nicht die „eine perfekte Positionierung“. Du brauchst eine Version, die deine nächsten Entscheidungen trägt: Website-Struktur, Angebotsseite, Startseite, Content-Themen. Positionierung ist ein Arbeitsstand, kein Abschluss.
Wenn du das systematisch in eine Website-Struktur übersetzen willst, ist mein “Workbook Website Planung“ genau für diesen Schritt gedacht.

GUT GEPLANT IST HALB GEWONNEN!
Deine Website soll wirken – nicht nur hübsch sein? Dann starte nicht mit Technik sondern mit klaren Zielen, Inhalten und deiner Wunschkundschaft. Mein kostenloses „Workbook Website Planung“ hilft dir dabei. Ideal, wenn du dir vor dem Aufbau deiner Website erstmal Klarheit wünschst.
Und wie bringst du das jetzt in die Praxis – auf deine Website und in die Sichtbarkeit?
1) Auf die Website: drei Stellen, an denen Positionierung sichtbar wird
Du brauchst dafür nicht mehr Content. Du brauchst an den wichtigsten Stellen klare Orientierung.
1) Startseite – Orientierung in 10 Sekunden
Ich sehe oft Websites, die „nett“ sind, aber keine Entscheidung erleichtern. Sobald die Startseite einen klaren Satz bekommt („Ich helfe X dabei, Y zu erreichen, damit Z möglich wird“), verändert sich die Wirkung spürbar – ohne ein einziges neues Angebot. Weil Orientierung entsteht.
- Für wen ist das?
- Wobei hilft das?
- Wie geht es weiter?
2) Angebotsseite – Entscheidung möglich machen
- Problem → Lösung → Vorgehen → nächster Schritt
- klare Erwartungen: was ist drin, was nicht
3) Über-mich-Seite – Vertrauen statt Lebenslauf
- Warum arbeitest du so?
- Was ist dir wichtig?
- Welche Art Zusammenarbeit passt?
2) Beispiel aus meiner Praxis: Von „Ich kann alles“ zu „Ich bin klar“
Eine selbstständige Dienstleisterin hatte mehrere Leistungen: Beratung, Workshops, Umsetzung. Auf der Website war alles irgendwie da – aber es wirkte unruhig. Sie wollte nichts streichen, hatte aber das Gefühl, „zu breit“ zu sein.
Sortierung: Wir sind nicht mit Formulierungen gestartet, sondern mit Entscheidungen:
- Welche Kunden bringen die besten Ergebnisse?
- Welche Leistung ist der beste Einstieg?
- Welche Haltung zieht sich durch alles?
Entscheidung: Sie hat nicht „weniger“ angeboten, sondern anders aufgebaut:
- ein klares Kernangebot als Einstieg
- zwei passende Erweiterungen zur Vertiefung
- Sprache, die das Ergebnis (das „Danach“) greifbar macht
Wirkung: Sie musste nicht lauter werden. Sie musste nur eindeutiger werden. Danach kamen Anfragen, die besser passten – und die Gespräche wurden kürzer, weil die Orientierung schon auf der Website passiert ist.
3) In die Sichtbarkeit: erst Klarheit, dann Reichweite
Wenn diese Website-Basis steht, macht Reichweite Spaß – weil du nicht mehr „alles erklären“ musst, sondern Menschen schon verstanden haben, worum es geht. Hier passen deine beiden Beiträge als nächster Schritt:
- Mehr Kunden durch deine Website – 5 einfache Wege zu mehr Reichweite als Selbstständige
- Mehr Kunden durch Website – Teil 2: 5 zusätzliche Strategien für mehr Sichtbarkeit
FAQ: Positionierung für Selbstständige
Muss ich mich spitz positionieren, um genug Kunden zu bekommen?
Nicht zwingend. Du brauchst vor allem Klarheit darüber, für wen du besonders hilfreich bist und welches Ergebnis du zuverlässig lieferst. Breite Angebote können funktionieren, wenn die Struktur klar ist.
Was ist, wenn ich mehrere Zielgruppen ansprechen will?
Dann brauchst du eine saubere Architektur: entweder getrennte Angebotswege (eigene Seiten) oder eine gemeinsame Klammer (gleicher Kernnutzen, unterschiedliche Beispiele). „Alles auf einer Seite“ wirkt fast immer verwirrend.
Wie finde ich mein Alleinstellungsmerkmal, wenn es das schon alles gibt?
Dein Alleinstellungsmerkmal ist selten die Methode, sondern oft Kombination aus Ergebnis + Zielgruppe + Prozess + Haltung. Diese Mischung ist in der Realität sehr individuell.
Wie merke ich, ob meine Positionierung funktioniert?
Wenn passende Menschen schneller „Ja, genau das“ sagen, weniger Grundsatzfragen stellen und deine Inhalte nicht nur liken, sondern nachfragen oder buchen. Gute Positionierung verkürzt den Erklärbedarf.
Ich habe Bauchweh bei Sichtbarkeit. Was ist ein leiser Einstieg?
Starte nicht mit „mehr posten“, sondern mit „klarer werden“: ein sauberer Startseiten-Einstiegssatz, eine klare Angebotsseite, eine Über-mich-Seite mit Haltung. Danach wird Reichweite einfacher.
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Mein Fazit: Positionierung für Selbstständige
Positionierung für Selbstständige muss nicht laut sein, um wirksam zu werden. Wenn du klar entscheiden kannst, für wen du arbeitest, welches Ergebnis du ermöglichst und wie du vorgehst, entsteht Sichtbarkeit fast als Nebenprodukt – weil dein System stimmig wird.
Leise Positionierung bedeutet: weniger Show, mehr Orientierung. Und genau das ist langfristig stabil – für Website, Angebote und Inhalte.
Wenn du den Schritt von Klarheit zu Struktur gehen willst, kann das Workbook zur Website-Planung ein ruhiger, guter nächster Schritt sein. Und wenn du dir für Sortierung und Entscheidungen Begleitung wünschst, ist mein 1:1 Website-Mentoring eine passende Abkürzung. Für alle, die Grundlagen strategisch aufbauen wollen – online und offline – passt auch der VHS-Kurs: Online Business aufbauen – mit klarer Strategie online & offline durchstarten | VHS-Kurs








